Magazin WEG-Finanzen

Die Vorausschau der Eigentümergemeinschaft: So planen Sie Betriebskosten und Rücklage fürs kommende Jahr

Das WEG 2002 verlangt eine jährliche Vorausschau über die zu erwartenden Aufwendungen. Wie aus Vorjahreszahlen ein belastbarer Plan wird, welche Positionen gern vergessen werden und warum eine gute Vorausschau Streit verhindert.

Foto von Miriam Berger Miriam Berger · Expertin für WEG-Finanzen & Abrechnung
18. Mai 2026 · 3 Minuten Lesezeit

Warum die Vorausschau mehr ist als eine Formalie

In Österreich muss der Verwalter den Wohnungseigentümern jährlich eine Vorausschau legen: eine Übersicht über die im kommenden Jahr zu erwartenden Aufwendungen — von den laufenden Betriebskosten bis zu geplanten Erhaltungsarbeiten — samt der vorgesehenen Dotierung der Rücklage. Wer selbst verwaltet, übernimmt diese Aufgabe für die eigene Gemeinschaft.

Und sie lohnt die Mühe: Die Vorausschau bestimmt, wie hoch die monatlichen Vorschreibungen ausfallen. Ist sie zu knapp gerechnet, fehlt der Gemeinschaft unterm Jahr das Geld. Ist sie unbegründet hoch, gibt es Diskussionen in der Versammlung. Eine saubere Vorausschau ist der Unterschied zwischen einem ruhigen Jahr und einem Jahr voller Nachträge.

Die solide Basis: drei Quellen

  1. Die letzte Abrechnung. Die tatsächlichen Kosten des Vorjahres sind der beste Startpunkt — Position für Position, nicht als Pauschale.
  2. Bekannte Änderungen. Indexanpassungen bei Versicherung und Wartungsverträgen, Energiepreise, neue Verträge: Was sich absehbar ändert, gehört eingepreist.
  3. Geplante Maßnahmen. Steht eine Erhaltungsarbeit an — Malerarbeiten im Stiegenhaus, Service am Aufzug, Reparaturen am Dach — gehört sie mit realistischem Betrag in die Planung, nicht ins Prinzip Hoffnung.

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Die Positionen, die gern vergessen werden

  • Valorisierungen: Viele Verträge steigen automatisch mit dem Index — wer mit den alten Beträgen plant, liegt systematisch daneben.
  • Kleinreparaturen: Einzeln unscheinbar, in Summe eine echte Position. Ein Erfahrungswert aus den Vorjahren gehört in jede Vorausschau.
  • Die Rücklagen-Dotierung selbst: Der gesetzliche Mindestbetrag ist die Untergrenze — die Vorausschau ist der richtige Ort, eine höhere Dotierung mit anstehenden Maßnahmen zu begründen.
  • Leerstands- und Ausfallsrisiko: Zahlt ein Eigentümer schleppend, braucht die Gemeinschaft trotzdem Liquidität.

Von der Vorausschau zur Vorschreibung

Aus der Jahressumme werden die monatlichen Vorschreibungen je Eigentümer — verteilt nach dem geltenden Aufteilungsschlüssel. Transparenz ist hier die halbe Miete: Wenn jeder Eigentümer sieht, aus welchen Positionen sich sein Monatsbetrag zusammensetzt, verschwinden die meisten Einwände von selbst.

Digital geführte Gemeinschaften haben es an dieser Stelle leicht: Die Vorjahreswerte liegen strukturiert vor, die Vorausschau wird daraus entwickelt statt neu erfunden, und die neuen Vorschreibungen sind für alle nachvollziehbar hinterlegt.

Ein Wort zur Versammlung

Die Vorausschau entfaltet ihren Wert erst, wenn die Gemeinschaft sie kennt und mitträgt. Stellen Sie sie in der Eigentümerversammlung vor — kurz, mit den drei wichtigsten Veränderungen zum Vorjahr und der Begründung für die Rücklagen-Dotierung. Zehn Minuten Erklärung ersparen zwölf Monate Diskussion.

Häufig gestellte Fragen

Ist die Vorausschau Pflicht?

Ja — das WEG 2002 verlangt, dass die Verwaltung den Wohnungseigentümern eine Vorausschau auf das kommende Wirtschaftsjahr legt: geplante Bewirtschaftungskosten, anstehende Erhaltungsarbeiten und die Entwicklung der Rücklage. Das gilt auch für die Selbstverwaltung.

Wie genau muss die Vorausschau sein?

Sie ist eine begründete Prognose, keine Punktlandung: Basis sind die Vorjahreswerte, bekannte Preisänderungen und die geplanten Arbeiten. Weicht das Jahr später ab, zeigt die Abrechnung die Differenz — wichtig ist, dass die Annahmen nachvollziehbar dokumentiert sind.

Was passiert, wenn die Vorschreibungen nicht reichen?

Dann entsteht in der Abrechnung ein Fehlbetrag, der nachgefordert wird — unangenehm für alle. Eine ehrlich kalkulierte Vorausschau mit kleinem Puffer erspart der Gemeinschaft diese Überraschung und hält die monatlichen Vorschreibungen stabil.

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Fazit

Eine gute Vorausschau ist keine Prophetie, sondern Handwerk: Vorjahreszahlen, bekannte Änderungen, geplante Maßnahmen — ehrlich addiert. Wer sie sauber aufsetzt, bekommt stabile Vorschreibungen, eine wachsende Rücklage und eine Versammlung, die ihren Zahlen vertraut.

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Miriam Berger

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